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FIFA: System Blatter in Perfektion

Wer zahlt, verdient!
Wer am meisten zahlt, gewinnt!

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Sepp Blatter hat die Vermarktung der WM vorangetrieben, mit den Erlösen betreibt die Fifa Entwicklungshilfe

Der Fußball, die Gier und die Gaben

Sepp Blatter amtiert seit zwölf Jahren als Fifa-Präsident. Er ist umstritten, aber in seiner Macht abgesichert. Foto: Reuters

Sepp Blatter amtiert seit zwölf Jahren als Fifa-Präsident. Er ist umstritten, aber in seiner Macht abgesichert. Foto: Reuters

Aufzählung WM bringt Fifa drei Milliarden ein.
Aufzählung Blatter zwischen Despot und Gönner.

Wien. Es ist alles minutiös durchkomponiert. Zuerst ertönt der Pfiff des Schiedsrichters, dann kommt Visa, dann Sony, dann Seara und MTN. Es ist immer die gleiche Reihenfolge. Alle 30 Sekunden wechseln einander die Sponsoren auf den Reklamebanden des Spielfeldes ab. Sie zahlen bis zu 300 Millionen Dollar für die Exklusivität, bei einer WM werben zu dürfen.

Es gibt sechs offizielle Partner der Fifa, acht Sponsoren und sechs nationale Förderer. Jeweils am Ende eines Werbeblocks präsentiert sich die Fifa dann selbst: "For the Game, For the World", heißt es da betont altruistisch. Ach, wirklich? Sollte nicht eher "For the Profit" stehen?

Die WM-Endrunde ist die Haupteinnahmequelle der Fifa. Wenn am Montag nach dem Finale der Wanderzirkus seine Zelte in Südafrika abmontiert, wird der Weltverband Einnahmen in der Höhe von drei Milliarden Euro eingestrichen haben. Südafrika hat die WM dagegen in etwa diese Summe gekostet, was langfristig davon zurückkommt, wird sich erst weisen.

Wer die WM will, muss sich an die Regeln der Fifa halten, muss ihr alle Wünsche erfüllen, teilweise sogar die Gesetze ändern. So hat sich der Weltverband ausbedungen, dass seine Partner und Sponsoren in Südafrika keine Einkommens- und Umsatzsteuer zahlen müssen. Gut für diese Milliarden-Konzerne, schlecht für Südafrika.

Dass die WM ist, was sie ist, verdankt die Fifa ihrem Patriarchen, Joseph "Sepp" Blatter. Seit zwölf Jahren ist er Präsident des Weltverbandes, und er will auch in den kommenden Jahren den Fußball gestalten. Im Juni 2011 steht seine Wiederwahl an, auch wenn der Schweizer da schon 75 Jahre alt sein wird. Doch Blatter hat eine Mission. Sagt er. Und die ist nicht der Profit, nein, Blatter will Gutes tun. "Ich arbeite für die Zukunft, für die Jugend", sagte er einmal auf einem Kongress salbungsvoll. Und das ist vermutlich nicht einmal gelogen. Angeblich soll der mächtige Funktionär sogar auf den Friedensnobelpreis spitzen.

Wer nicht für ihn ist, ist gegen Blatter

Das ist der Erfolg Blatters, der 1981 mit dem Posten des Generalsekretärs belohnt wurde, 1998 folgte der Schweizer dann Havelange als Präsident nach. Wie sein Vorgänger und geistiger Vater führt auch Blatter die Fifa autokratisch. Seine zweite Wiederwahl erfolgte per Akklamation; und Funktionäre, die sich gegen ihn und seine Pläne stellen, werden von ihm mit Missachtung bestraft. Wer von der Fifa etwas will, muss ihrem Chef eben bedingungs- und kritiklos folgen, sich mit ihm und seinen Vertrauten gutstellen. Wer das tut, kann auch etwas von Blatter erwarten.

Fifa verbittet sich eine staatliche Einmischung

Afrika erhält auch einen Großteil der Entwicklungsgelder der Fifa, die Blatter nach und nach aufgestockt hat. Im kommenden Jahr will die Fifa etwa 800 Millionen Dollar in Förderprogramme stecken. Um dieses Geld werden Trainingszentren errichtet, Spielfelder und Nachwuchsakademien. Alles im Zeichen der Professionalisierung, im Zeichen des Guten. Die Fifa schafft Chancen für die Jugend.

Doch dieser Bereich ist nur einer, der die strukturellen Probleme der Fifa deutlich macht, der Korruption und Freunderlwirtschaft aufzeigt. Denn wohin die Gelder fließen, entscheidet die Fifa nicht nur, sie kontrolliert es auch. Alleine. Und sie verbittet sich jedwede staatliche Einmischung und droht mit dem Rauswurf des jeweiligen Verbandes.

So hielten und halten sich nach wie vor nachweislich korrupte Funktionäre an der Macht, sie werden von der Fifa gedeckt und können nicht abgesetzt werden. Jack Warner ist so ein Fall, er ist Vize-Chef der Fifa und Präsident des mittelamerikanischen Kontinentalverbands. Sogar die Fifa hat Warner beschuldigt, sich und seine Familie mit dem widerrechtlichen Weiterverkauf von WM-Tickets bereichert zu haben. Egal. Es gab eine Strafe, doch Warner blieb im Amt. Er ist Herr über 40 Mitglieder und damit 40 Stimmen. Sie wählten geschlossen für Blatter. So funktioniert das System, es ist Blatters System.

Als im Zuge der Pleite der Vermarktungsagentur ISL, die jahrzehntelang für die Fifa TV- und Werbe-Rechte verkauft hatte, bekannt wurde, dass sich hochrangige Funktionäre des Verbandes über Jahre mit enormen Summen bestechen ließen, mauerte die Fifa wie ein nordkoreanisches Atominstitut. Erst eine Zahlung von rund vier Millionen Euro beendete die Ermittlungen. Unklar ist, wer das Geld überwies, ob gar die Fifa selbst diese Rechnung beglich. Sämtliche involvierte Funktionäre jedenfalls blieben straffrei und ungenannt. Auf den Sepp ist eben Verlass.

Gute Geschäfte mit guten Freunden

Die ISL war eng mit der Fifa verwoben, schon in Havelange-Zeiten. Und auch jetzt sind es Günstlinge von Blatter, die im Namen der Fifa viel Geld verdienen. So hat sich etwa das Unternehmen Match in Südafrika den Unmut eines ganzen Landes zugezogen. Als offizieller Fifa-Partner hat Match Quartiere für Ehrengäste und VIPs organisiert. Es wurden enorme Kapazitäten bei Hotels und Fluglinien geblockt. Mit einem Aufschlag von bis zu 1000 Prozent versuchte Match, Betten und Tickets weiterzuverkaufen. Doch sehr erfolgreich war man nicht, im März gab das Unternehmen 40.000 Tickets und zehnmal so viele Betten zurück. Die Hotels und Fluglinien zahlten die Quittung.

Der Chef der Firma Match trägt einen bekannten Namen: Blatter. Es ist Philippe Blatter, der Neffe des Fifa-Chefs. Er ist ein alter Bekannter, denn er verdient auch als Vorsitzender der Vermarktungsagentur Infront mit dem Fußball sein Geld. Als die ISL 2001 pleiteging, suchte die Fifa einen neuen Partner – und fand Infront. Welch Zufall.

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